STANDPUNKT: Zum Fürchten

Politik | aus FALTER 39/01 vom 26.09.2001

Es sind bereits Hunderttausende auf der Flucht, mahnte die UNO. Befragt nach den Vorbereitungen für die Vertriebenen aus Afghanistan, gab sich Klubobmann Andreas Khol (ÖVP) am Montag betont cool. "Wir müssen uns nicht auf Vorrat fürchten", beruhigte Khol. "Österreich hat ein Instrumentarium, das die menschenwürdige Behandlung gewährleistet." Das sah bisher so aus: Im Frühjahr etwa benannte das Innenressort seine neu eingerichtete Grenzschutztruppe "Soko Taliban". Erst nach Protesten (Falter 13/01) wurde diese schlicht in "Soko" umbenannt. In einem EU-Papier wiederum qualifizierte das Innenressort erst kürzlich den Iran als Land, in dem Flüchtlinge vor unmenschlicher Behandlung sicher sind. (Falter 36/01). Seitdem können abgelehnte Afghanen, die über den Iran kommen, dorthin zurückgeschoben werden. Obwohl dort die Lager schon bisher überfüllt waren und die aufgebrachte Bevölkerung regelmäßig gegen die Vertriebenen demonstrierte. Die Flüchtlinge dort werden in den nächsten Wochen nicht weniger, das Verständnis der Bevölkerung nicht größer werden. Mit Verlaub, Herr Khol, aber Ihr gepriesenes Instrumentarium für Afghanen, die in Österreich strandeten, war schon bisher peinlich. Vielleicht sollten Sie es nun doch ein wenig überdenken. Nur einmal so auf Vorrat. N. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige