Hass als Motor und Medium

Politik | WOLFGANG MÜLLER-FUNK | aus FALTER 39/01 vom 26.09.2001

ESSAY. Klagemeuten, Hetzmassen, Massensymbole. Der postmoderne Terror in kulturwissenschaftlicher Ansicht.  

Seit diesem 11. September ist niemand mehr so recht bei der Sache. Selbst das Wichtigste in unserer Gesellschaft, das Vergnügen, ist vergällt, wirkt abgeschmackt und nichtig. Die Erschütterung der Menschen ist echter, liegt tiefer als alle moralische Entrüstung. Das postmoderne Fernsehen, virtuelles Fenster und Spiegel in einem, wird zum Medium einer Masse, die doch vereinzelt bleibt, auch wenn es sie zuweilen auf die Straße treibt. Das Zeitalter der Massen, das Freud und y Gasset, Le Bon, Broch und Canetti so verschieden beschrieben haben, es lebte von der Komprimierung der furchtsamen Leiber zu einem gepanzerten Subjekt. Dieses klassische Zeitalter der Massenmobilisierung scheint der Vergangenheit anzugehören.

  Aber die Massen sind nicht verschwunden, sie haben sich nur verändert, sind kanalisiert und virtualisiert durch die Medien. Vor den universal gewordenen Bildern


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige