Kommentar: Wie peinlich dürfen Künstler sein?

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 39/01 vom 26.09.2001

Einen Tag nach der Terrorattacke auf das World Trade Center wurde ich von jemandem, dem ich zum ersten Mal begegnete, gefragt: "Und was sagen Sie zu der Katastrophe?" Ich sagte etwas wie: "Hmmgrmähnajaaaecklich" und hatte später das Gefühl, dass ich eigentlich ausfällig hätte werden sollen. Es ist die geringste, dafür aber tatsächlich uns alle "betreffende" Folge des Anschlags, dass sie uns eine Reaktion abverlangt, von der wir ahnen, dass sie völlig inadäquat ausfällt. Jeder fühlt sich aufgefordert, neben Betroffenheit auch sein schlechtes Gewissen Gassi zu führen. Ein schlechtes Gewissen hat man allemal, und ein gutes Ruhekissen ist es obendrein.

Zu geschärftem Denken freilich führt es nicht notwendigerweise. Und wie schrieb Susan Sontag in einem Kommentar für profil so richtig? "Es wird sehr gründlich nachgedacht werden müssen." Eigentlich hätte Sontag ja gleich einmal damit anfangen können, ist ja ohnedies ihr Geschäft. Aber es lassen derzeit eh alle Medien viel nachdenken.


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