Streifenweise

Kultur | MAYA McKECHNEA | aus FALTER 39/01 vom 26.09.2001

Der britische Psychothriller "The Hole" (Regie: Nick Hamm) ist ein closed room mystery nach Muster-Bauplan: Fünf Eliteschüler sind in einem unterirdischen Bunker eingeschlossen. Nach zwei Wochen wankt als einzige Überlebende Liz (Thora Birch) blutverkrustet ans Tageslicht und liefert einen Bericht, aus dem der Film die mörderischen Vorgänge via Rückblenden rekonstruiert; wobei sich Liz als unzuverlässige Erzählerin erweist, deren Rolle in diversen Versionen vom verliebten Mauerblümchen bis zum eiskalten Vamp changiert. Während Agatha Christie selbst in fahrenden Zügen und auf Nildampfern noch mit Tatvorgängen (und Tätern) überraschen konnte, erweist sich das "Hole"-Drehbuch (nach einem Roman von Guy Burt) als weniger raffiniert. Die Variation der einfachen Ausgangsthese: "Wer zuletzt lebt ..." ist als Pointe enttäuschend.

  Auch in einer Art geschlossenem Raum, gefüllt mit heißer Luft und den Durchhalteparolen des amerikanischen Traums, operieren die Protagonisten der Dokumentation "Startup.com": Tom Herman und Kaleil Isaza Tuzman sind beide noch keine dreißig und Gründer des Internetportals govworks.com. Das Regie-Duo Chris Hegedus und Jehane Noujaim begleiten die beiden mit der Digitalkamera durch die hysterische Phase zwischen der Firmengründung im Mai 1999 und dem endgültigen Aus des Dotcom-Unternehmens im Dezember 2000. Dazwischen liegen rund sechzig Millionen Dollar Kapital, 250 Angestellte, ein Büro in Lower Manhattan und ein virtuelles Produkt, das auch der Film nie wirklich sichtbar werden lässt. Dafür sehen wir den ganz alltäglichen Fanatismus in den Büroetagen: Mitarbeiter, die Nächte durcharbeiten, auf Geheiß applaudieren oder die Parolen ihres Chefs nachbrüllen. Indem er den Wirtschaftskoloss New York als intaktes "Ökosystem" porträtiert, ist "Startup. com" inzwischen so etwas wie ein historisches Dokument: Hier ist es noch das Kapital selbst, das seine Kinder frisst.


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