NÜCHTERN BETRACHTET: Folgen der freiwilligen Selbstverbärung

Kultur | aus FALTER 39/01 vom 26.09.2001

Wenn Politiker aus der ersten Reihe in eine der hinteren Bänke versetzt werden, dann lassen sie sich ein garstiges Gestrüpp im Gesicht stehen. Nicht so sehr, weil sie aufgrund seelischer Zerrüttung verwahrlosen, sondern weil sie uns mitteilen wollen, dass wir irgendwie selber schuld sind: "Wenn ihr mich nicht mehr in der ersten Reihe haben wollt, dann brauch ich mich auch nicht mehr zu rasieren. Sieht eh keiner." Diese (halb) freiwillige Selbstverbärung von Politikern (der englische Fachterminus dafür lautet übrigens "ursifaction") führt auch dazu, dass diese ab sofort nur mehr bärbeißige Privatmeinungen von sich geben. Wie aber ist das entgegengesetzte Phänomen der "deursification" zu interpretieren? Ich frage mich das, weil ich unlängst einen total entbarteten und voll unbärigen Peter Michael Lingens im Fernsehen gesehen habe. Vermutlich bedeutet es so etwas wie "Ich bin wieder da!" Andererseits sind Kommentatoren eh immer da und geben ihre Privatmeinung zum Besten. Na, egal.


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