STANDPUNKT: Aus dem Takt

Politik | aus FALTER 40/01 vom 03.10.2001

Vor einem Jahr hat er es schon einmal probiert. "Man kann es nicht so eng sehen", sagte Frauenminister Herbert Haupt damals, "dass es das alleinige Recht der Frau ist." Das sei "nicht gut für die Partnerschaft". Die Aufregung war groß, Haupt steckte zurück. Jetzt versucht er es auf einem anderen Schleichweg erneut: In der Wienerin fordert er, Frau und Mann sollen sich vor der Abtreibung eines behinderten Kindes gemeinsam beraten lassen müssen - wenn sie eine "intakte Partnerschaft" führen. Wenn eine Frau ihrem Mann etwas so Wichtiges wie eine Schwangerschaft verheimlicht, dann hat sie dafür vermutlich schwerwiegende Gründe. Denn keine Frau macht eine Abtreibung gerne alleine durch. Und die Partnerschaft ist dann sicher alles andere als intakt. Keine Frau darf gezwungen werden, ein Kind zu bekommen, das sie nicht will. Nicht vom Arzt, nicht vom Staat, aber auch nicht vom Erzeuger des Kindes. Wenn es um das Kindergeld geht, argumentiert Haupt immer völlig konträr: Jede Frau habe das Recht, ihr Leben so zu gestalten, wie sie das wolle. Und wenn sie bei den Kindern bleiben will, dann soll sie das gefälligst auch tun können. Und nicht von ihrem Mann oder wild gewordenen Flintenweibern gezwungen werden, am Fließband eh nichts zu verdienen. Warum soll sich das Selbstbestimmungsrecht der Frau gerade beim eigenen Körper aufhören? E. W.


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