Kommentar: Wenns leicht geht - bitte keine Feindbilder!

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 40/01 vom 03.10.2001

Tritt der Ernstfall in interpretationsheischender Gestalt auf, ist "der Intellektuelle" gefragt. Und der kann es eigentlich nur falsch machen: Ist er gleich bei der Stelle, macht ihn seine Alertheit verdächtig (wer schnell ist, kann nicht tief gedacht haben); lässt er sich Zeit, wird ihm fast eine Art Mitschuld zugewiesen, und Journalisten schreiben stark nachdenklich machende Kommentare über "Das Schweigen der Intellektuellen".

Der Spiegel-Redakteur Reinhard Mohr ist eher auf der Seite derer, denen das Denken zu schnell geht. Künstler und Intellektuelle redeten sich, so Mohr in einem Kommentar für den Standard vom 27. September, "schon zwei Tage nach dem Desaster von New York und Washington um Kopf und Kragen". Und Mohr gelangt zu dem Schluss, dass "analytische Demut, gar Trauer und Innehalten (...) nicht die Sache der Dichter und Denker im Medienzeitalter" seien. Dabei hat ers doch offenbar selber ganz gerne flott, denn aus ein paar blöden Statements von Stockhausen & Co. auf eine


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