KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

Wer heute beschließen würde, einen "Ernst Caramelle" zu fälschen, hätte es - zumindest auf den ersten Blick - nicht schwer. Die für den in New York lebenden Österreicher typischen reduktionistischen Wandmalereien, wie sie zurzeit die Ausstellungsräume der Bawag Foundation (bis 25.11.) verfremden, haben mit Architektur fast mehr zu tun als mit Malerei. Sie verfälschen Blicklinien, bauen Winkel ein, wo keine sind, und treiben auch durch monochrome Rechtecke mit der Dreidimensionalität ihr Spiel. Genauso leicht wären Caramelles Lichtarbeiten nachzumachen: Während andere Tomaten zum Trocknen auf ihre Fensterbänke legen, breitet der Künstler gefärbtes Papier mit darauf platzierten Schablonen aus, und die Sonne erledigt im Laufe von Monaten den Rest - nämlich die Bleichung der unbedeckten Flächen. Warum man einen Caramelle fälschen sollte? Weil er sich selbst 1979 mit seinem Künstlerbuch "Forty Found Fakes" über die "signature styles" renommierter Kollegen lustig machte. So


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