OHREN AUF! Sturm auf die Oper

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

Achtundzwanzig Takte lang herrscht noch beschauliche Ruhe - und dann lässt Christoph Willibald Gluck schlagartig jenen Sturm losbrechen, der nicht nur "Iphigenie auf Tauris" in den Trubel der kommenden knapp zwei Stunden reißt, sondern auch gleich die ganze Tradition der Opera seria. Die Oper, die Gluck 1779, zehn Jahre vor dem Sturm auf die Bastille, dem Ancien Régime in Paris vorsetzte, war eine Revolution: Weil sie Musik nicht nur "als Kunst, das Ohr zu ergötzen", sondern "als eins der größten Mittel, das Herz zu bewegen und Empfindungen zu erregen" (Gluck) verstand; weil sie dem Orchester eine eigene dramatische Rolle zuwies und die Musik all das ausdrücken ließ, was Worte nicht beschreiben können; kurz: weil hier "die Oper ihre Überlegenheit über das gesprochene Drama beweist" (Alfred Einstein).

All das hört man nicht erst in der bekannten Arie des Orest ("Le calme rentre dans mon cSur"), der sich Mitte des zweiten Akts zu Unrecht in Sicherheit wähnt, wie heftig synkopierende


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