Stadtrand: Sie herden wieder

Stadtleben | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

Ich habe nichts gegen Schulklassen auf Wienwoche. Oder andere Schülerreisegruppen. Ganz im Gegenteil: Gekichere, Sichnichtausgekenne und andere Albernheiten haben mein vollstes Verständnis. Was wirklich nervt, ist der Herdentrieb der oben genannten Besuchergruppen. Alleine oder zu zweit wohin? Geht nicht. Können, dürfen oder wollen pubertierende Jugendliche und junge Erwachsene nichts alleine entscheiden? Ist es nicht möglich, eine Bäckereifiliale auch einmal nur zu dritt zu betreten? Müssen zwei Duzend No-Angels-Fans gleichzeitig die U-Bahn betreten - durch eine einzige Türe? Ohne Rücksicht auf Aussteigende. Auf Gehsteigen werden Entgegenkommende niedergewalzt und - klar! - Rolltreppen sind nur dazu da, um verstopft zu werden. Kaum ist der Sommer vorbei, beginnt der Daueralmabtrieb in der Stadt: Sie herden wieder. Dabei ist es echt nicht schlimm, verloren zu gehen. Zumindest, wenn man weiß, wo man ist. Und den Weg ins Hotel kennt. Mein Vorschlag an Gruppenbetreuer: Stadtpläne verteilen und in der ersten Wienwochen-Stunde den Schülern zeigen, wo sie sind. Und den Kids ein wenig Selbstständigkeit zutrauen. Aber vielleicht kennen die "Frau Professor" und der "Herr Lehrer" sich selbst nicht aus in der bösen großen Stadt. Und müssen selber herden. C. W.


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