Tod durch Cembalo

Extra | WALTER SCHÜBLER | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

IDEENKRIMI. Wolfgang Schlüter hat mit "Dufays Requiem" einen virtuosen und hochintelligenten Krimi geschrieben, der auch von den Zumutungen des Zeitgenössischen handelt. 

Am 2. März 1927 wird der Soldat Francis Carr, der an der Landstraße zwischen Tilshead und Orcheston Wache gehalten hatte, von fünf Kugeln tödlich getroffen. Ein mysteriöser Tod: Das Sektionsprotokoll hält fest, Carr sei gleichzeitig aus fünf verschiedenen Richtungen getroffen worden - von seinen eigenen Patronen.

  Am 26. Oktober 1993 löst eine äußerst rare Tonfolge in einem von John Bulls "In Nomines" durch Hebelwirkung einen kleinen Druckbolzen hinter dem Vorsatzbrett eines Dulcken-Cembalos, Baujahr 1745, aus. Aus knapp vierzig Zentimetern Entfernung jagt die vergiftete Nadel der Spielerin in den Bauch. Der konisch gefräste Schusskanal für das Projektil verbirgt sich hinter dem Astloch, das die schwarze Pupille eines auf das Vorsatzbrett gemalten Satyrs bildet, und bleibt ebenso unentdeckt, wie die Spannmechanik


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