Die Kälte des Krieges

Extra | ALEXANDRA MILLNER | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

EMIGRATION. Der letzte Band der Werkausgabe von Veza Canetti versammelt Texte aus der Wiener Zeit und aus dem englischen Exil und beweist, dass das "Verstummen" Canettis nach der Niederlage des Austromarxismus zu Unrecht erfolgte. 

Veza Canetti (1897-1963) trat schon Anfang der Dreißigerjahre mit literarischen Texten an die Öffentlichkeit. Lesend wie schreibend erarbeitete sie sich einen eigenen Standpunkt, der sie im Wiener Literaturbetrieb der Zwischenkriegszeit etablierte. Das in ihren Texten vermittelte Engagement lässt sich als eindeutig frauenbewegt und sozialistisch umreißen. Doch mit dem Untergang des Austromarxismus im Februar 1934 schien auch ihre literarische Karriere beendet. Erst durch die posthume, seit 1990 bei Hanser erscheinende Werkausgabe setzte die öffentliche und literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Ruvre ein.

  Canettis Texte kreisen um ein breites soziales Spektrum von Frauenfiguren, die jede auf ihre Art starke Persönlichkeiten sind. Das


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