Besser als der liebe Gott

LEOPOLD FEDERMAIR | Extra | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

BAROCK HEUTE. Josef Winkler geht auf einen römischen Markt und sieht dort Tod, Verwesung und Verfall.  

Vanitas, vanitatum vanitas! Ob er über die indischen Domra, die römischen Marktverkäufer oder die Kärntner Bauern schreibt und norddeutsche Literaturpreise wie jüngst den Döblin-Preis verliehen bekommt, Josef Winkler ist und bleibt ein barocker, katholischer, österreichischer, gebannt auf Tod und Verwesung starrender Schriftsteller. Das ist das Fazit nach der Lektüre von "Natura morta", einem schmalen Buch, mit dem der Autor dort weitermacht, wo er den Faden zuletzt aus der Hand gelegt hatte. Die Geschichte, die er diesmal ausgewählt hat, ist so schrecklich wie die bisherigen Selbstmord- und Totschlaggeschichten, nur vielleicht einfacher, extrem reduziert auf einen sinnlosen, die Sinnlosigkeit stumm anklagenden Vorfall.

  Es gibt in diesem Buch keinen Erzähler, der irgendein Profil gewönne. Was beschrieben wird, wird mit scheinbar absoluter Objektivität beschrieben. Es

  697 Wörter       3 Minuten
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