Echoraum Literatur

Extra | KONRAD PAUL LIESSMANN | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

Literaturwissenschaft. Wie man Bücher zum Sprechen bringt: In seinem ingeniösen Essay "Geisterstimmen" begreift der Germanist Christiaan L. Hart Nibbrig Literatur als eine Partitur, die im Lesenden ein Echo erzeugt.  

Was will uns der Dichter damit sagen? Die dümmste alle Lehrerfragen wird zu einem vertrackten Vexierspiel, wenn man sie nur ein klein wenig anders stellt: Was will uns dieser Text sagen? Denn keine Rede davon, dass wir nur dort Stimmen hören, wo jemand spricht. Schon die Floskeln "Das sagt mir nichts" oder "Dies spricht mich an" unterstellen eine anonyme Rede, die uns erreichen oder verfehlen kann, ohne dass ein Subjekt deshalb Laute von sich geben muss. Und dennoch: Sollten Texte sprechen, mit welcher Stimme sprechen sie dann eigentlich? Und ist die Stimme als unverwechselbares Merkmal einer Person überhaupt geeignet, einem Text zugeordnet zu werden? Aber gilt nicht auch, dass wir jedem Text eine Stimme selbst dann verleihen, wenn wir ihn stumm für uns lesen? Wer also


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