Der Parasit des Verfalls

Extra | LEOPOLD FEDERMAIR | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

DENKER PORTRÄT. Er war einer der größten europäischen Welt- und Selbstverachter: der rumänisch-französische Schriftsteller Emil M. Cioran. Nun liegen seine Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1957 bis 1972 vor, die neues Licht auf Ciorans paradoxe Existenz werfen. 

Emil Cioran, 1911 in einem siebenbürgischen Dorf geboren, 1995 in Paris, wo er mehr als ein halbes Jahrhundert lebte, gestorben, hat in allen seinen Schriften persönliche Erfahrungen verarbeitet. Das Schreiben war für ihn eine kämpferische Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz. Es ging ihm nicht darum, Theorien zu formulieren oder Fiktionen zu erfinden (was letztlich aufs selbe hinausläuft).

  Wenn nun eine Auswahl aus seinen "Cahiers", die er nie zur Veröffentlichung vorbereitete, auf Deutsch erscheint, so wird man nicht erwarten dürfen, darin Informationen zu finden, die das eigentliche Werk nicht schon enthielt. Die Betonung der Herausgeber, die "Cahiers" seien kein journal intime, ist also überflüssig,


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