Die Physiker

Extra | KLAUS TASCHWER | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

SCIENCE-IN-FICTION. Der junge Romancier Jorge Volpi hat einen famosen Krimi über Quantenphysik, die NS-Zeit, Liebe und Leidenschaft geschrieben 

Leipzig, Anfang November 1989: Der greise Mathematikprofessor Gustav Links erinnert sich an eigentümliche Dinge: daran, wie sich Adolf Hitler an den Hinrichtungen der Attentäter vom 20. Juni 1944 ergötzte. Und: wie Links unmittelbar nach dem Krieg dem US-amerikanischen Physiker Francis Bacon begegnete, der in heikler Mission ins eben befreite Deutschland gekommen war.

  Der ehemalige Princeton-Student soll herausfinden, wer unter dem Decknamen "Klingsor" die NS-Forschungspolitik dirigiert hat, und Links wird auserkoren, ihm bei den Recherchen behilflich sein. Dafür nehmen die beiden der Reihe nach Kontakt mit den wichtigsten Physikern der Zeit auf: Der Reihe nach erkundigen sie sich unter anderem bei Max Planck, Erwin Schrödinger, Niels Bohr - und Werner Heisenberg, der bei Volpi gar nicht gut wegkommt.

  En passant werden so in Volpis über 500-seitigem Wissenschaftskrimi die wichtigsten Physiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitsamt ihren Leistungen und Leidenschaften vorgestellt - und zwar so, dass niemand es nicht verstehen könnte. Dabei bleibt Volpi, der selbst sauber recherchiert hat, durchgehend am Boden der Tatsachen. Nur für die Hauptgeschichte hat er sich ein fabulöses Drama aus Liebe, Sex und Verrat ausgedacht.

Das Klingsor-Paradox" ist das etwas andere Physik-Buch: es gibt Einblick in die NS-Forschungspolitik, in die Quantenphysik und in menschliche Abgründe - verpackt in eine komplexe und bis zur letzten Seite spannende Dramaturgie. Beeindruckt zeigte sich darüber auch Gabriel García Márquez, Literaturnobelpreisträger 1982, der über seinen erst 33-jährigen Kollegen anerkennend meinte: "Ich möchte den einzigen Schriftsteller beglückwünschen, der besser ist als ich."

Jorge Volpi: Das Klingsor-Paradox. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Stuttgart 2001 (Klett-Cotta). 509 S., öS 354,- / e 25,05


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