Holocaust: Mauthausen

Extra | HELMUT KOHLENBERGER | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

An Details ist das umfangreiche Werk von David Pike, Kenner des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs, schwer zu übertreffen. Mauthausen, "für Dante unvorstellbar", konzipiert für 3000 Gefangene, zeitweise überbelegt bis hin zu 70.000. Perspektive in dieser Hölle ist einzig der Tod, bereits bei Einlieferung wird dies auf zynische Weise deutlich gemacht: Addio alla vita aus der "Tosca" erklingt. Bis dahin verbleiben in der Regel fünf bis neun Monate Überlebenszeit unter der absoluten Gewalt der Lagerleitung. Eine ununterbrochene Folge von Ausbeutung bis zum Letzten, Schikanen, Demütigungen. Pike schildert aufgrund von Archivmaterial und Interviews anschaulich den Alltag, er schildert genau die Quellenlage und die abenteuerlichen Umstände, denen sich historisches Forschen verdankt. Wir erfahren vom System, von der versteckten und offenen Komplizenschaft von Gefangenen mit der Lagerleitung, von Konflikten innerhalb der Gefangenen. Wir erfahren von Hinrichtungsmethoden (zum Beispiel Vergasung auf fahrendem LKW). Wir sehen die Schädel der Getöteten auf dem Schreibtisch von Lagerärzten als Trophäen. Dieses Buch ist eine Einführung in die Abgründe totalitärer Herrschaft, in die Psychologie des Massenmordes um seiner selbst willen. Es zeigt aber auch, dass Parteilichkeit bis in diese Abgründe hineinregiert. Dass der Mensch als Mensch nichts gilt.

David W. Pike: Spaniards in the Holocaust. Mauthausen, Horror on the Danube. London 2000 (Routledge). 480 S., £ 70,-/öS 1500,-/f 110,-


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