Afrikaner zum Anfassen

OLIVER HOCHADEL | Extra | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

Menschenschauen. Lange vor "Big Brother" und "Taxi Orange" wurden Menschen monatelang dem voyeuristischen Blick der Öffentlichkeit ausgesetzt. Die kommerzielle Ausstellung von meist dunkelhäutigen Fremden ist Gegenstand dreier höchst unterschiedlicher Bücher.  

Als die siebzig "Aschantineger" am 10. Juli 1896 an der Weißgerberlände eintreffen, wird ihnen von 2000 Neugierigen ein begeisterter Empfang bereitet. In den folgenden Monaten strömen angeblich 400.000 Wiener in den damaligen Prater-Tiergarten. Dort kann man in einem eigens eingerichteten "Dorf" die "Wilden" beim Kochen, in der Schule und bei ihrer täglichen Arbeit beobachten. Das Gedränge ist groß und die Zudringlichkeit kaum zu überbieten.

  Kein Container schützt die Ausgestellten. Das Besucherspektrum reicht dabei vom Kaiser bis zur Kassiererin, ganz Wien ist vom Aschantifieber erfasst. Aschantinüsse werden verkauft, Aschantimärsche komponiert und Peter Altenberg verfasst seine literarische Skizzensammlung "Ashantée"

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