DIE WAHRHEIT: Alles fuzzy?

Extra | ROBERT CZEPEL | aus FALTER 41/01 vom 10.10.2001

McGeorge Bundy, ehemaliger Sicherheitsberater der USA, meinte einmal: "Grau ist die Farbe der Wahrheit" - und sprach damit eine tiefe Einsicht aus, die nicht nur für die Politik zutrifft. Denn in der Tat stellt sich die Welt für uns als großes Nebeneinander von nur vermeintlich scharf zu trennenden Gegensätzen dar. Wer könnte zum Beispiel eine klare Grenze zwischen schönem und schlechtem Wetter ziehen? (Engländer würden diese Frage sicher anders beantworten als etwa Spanier.)

  Und trotzdem steht diese Auffassung in einem klaren Gegensatz zu unserer Sprachstruktur. Wenn wir Sachverhalte in Worte fassen, dann tun wir so, als gäbe es tatsächlich für alles und jedes klare Definitionen und Grenzziehungen. Historisch betrachtet, lässt sich diese Tradition auf Aristoteles' tertium non datur - ein Drittes gibt es nicht - zurückführen: Etwas kann X oder nicht X sein, aber sicher nicht beides.

  Betrachtet man die Wortmeldungen des aktuellen US-amerikanischen Präsidenten zur weltpolitischen


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