STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 42/01 vom 17.10.2001

Seine leiblichen Überreste wurden zersägt und verscharrt, auf dass später nur ja nichts an ihn erinnere, kein Grabmal, schon gar keine Pilgerstätte; das Jahr ist 1961, der Schauplatz der Kongo und die Rede von Patrice Lumumba - Vorsitzender der MNC (Mouvement national congolais) und erster demokratisch gewählter Premierminister der in die "Unabhängigkeit" entlassenen belgischen Kronkolonie, der nach knapp zweimonatiger Amtszeit einem Komplott seiner ehemaligen Bündnispartner und der CIA zum Opfer fiel.

  Schon einmal hat Raoul Peck diese Geschichte erzählt. "Lumumba" ist, wenn man so will, eine Wiederaufnahme des Verfahrens, das der aus Haiti gebürtige Filmemacher mit seiner Dokumentation "Lumumba, la mort d'un prophète" (1991) eröffnet hat - diesmal in Form eines Spielfilms, aber nicht weniger komplex. Im Gegenteil. Gleich zu Beginn werden Bilder vom ersten Jahrestag der Unabhängigkeit gegen jene der Beseitigung des geschändeten Leichnams montiert, fließen verschiedene Zeitebenen ineinander, hören wir Lumumba aus dem Off den letzten Brief an seine Frau vorlesen - sie möge den Kindern nicht alles erzählen, weil sie diese Grausamkeit nicht verstehen würden (ebenso wenig übrigens wie ein Kinopublikum, das die Kolonialgeschichte und ihre Folgen v.a. aus Filmen à la Attenboroughs "Cry Freedom" kennt). Lumumba wird gespielt von Eriq Ebouaney, sein Weggefährte und späterer Gegenspieler Mobutu von dem aus Claire Denis' "J'ai pas sommeil" bekannten Alex Descas.

  Definitiv keine Empfehlung hingegen: "Moulin Rouge" von Baz Luhrmann, im Paris anno 1899 angesiedelter Blödfilm mit Nicole Kidman, die gute Miene und schlechte Figur zu Offenbach und Elton John macht.


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