DRAMOLETT: Drama für alle. Eine Installation

Kultur | aus FALTER 42/01 vom 17.10.2001

Museum moderner Kunst, jetzt. Der 26. September 1964. Eine Mittelstandswohnung in der österreichischen Provinz. Eine österreichische Provinzmittelstandsfamilie beim Abendessen. Figuren aus Wachs. Alle Details von Kleidung und Einrichtung in sich stimmig. Licht aus einer Hängelampe über dem Tisch und einem eingeschalteten Hornyphon-Radio auf einer Kredenz im Bühnenhintergrund. Schlechter Empfang. Längere Zeit Rauschen, dann:

SPRECHER: "Drama für alle". Heute:

SPRECHERIN: "Die Hand des Vaters, die Hand des Mörders".

SPRECHER: von Marga Swoboda.

SPRECHERIN: Interpunktion: Marlene Streeruwitz.

Kurze Pause.

Leise Bruckner.

Bruckner lauter.

Bruckner laut.

Bruckner leiser, bleibt im Hintergrund.

FRAUENSTIMME (verhalten, tonlos): Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nun ist die Hoffnung tot. Man hat den Dreijährigen gefunden. Vermisst seit Sonntag. Nach einem Spaziergang mit dem Vater. In einem Park.

Bruckner lauter.

Bruckner laut.

Längere Zeit Rauschen, dann:

FRAUENSTIMME: Wie hat die Mutter gehofft. Und. So viele Menschen mit ihr. Als ich das Bild in der Zeitung sah. Dachte ich. Das wird doch nicht sein. Das wird doch nicht sein. Der arme Vater. Dachte ich. Auch noch. Der arme Vater. Und. Das Kind. Ist. Fort. Jede Stunde. Jede Minute. Hölle. Das ist. Was die Mutter erleiden musste. Und.

Bruckner lauter.

Rauschen.

Plötzlich sehr laut Strauß, egal welcher.

Rauschen.

Bruckner leiser, bleibt im Hintergrund.

FRAUENSTIMME: Der Vater. Ja. Der Vater. Steht nun unter Mordverdacht. Es gilt wie immer. Die Unschuldsvermutung. (Laut, dramatisch:) Falls dieser Mensch, den sein Kind Vater nannte. (Pause. Laut, dramatisch:) Falls dieser Mensch, den sein Kind Vater nannte.

Bruckner laut.

Längere Zeit Rauschen.

FRAUENSTIMME (verhalten, tonlos): Hoffentlich in seinem Leben keine gute Stunde mehr.

Rauschen.

Kurz Bruckner, verklingend.

Längere Zeit Rauschen.

Ende.

Material: Marga Swoboda, "Die Hand des Vaters, die Hand des Mörders?". In: "Kronen Zeitung" vom 26. September.


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