Begnadete Hände

KLAUS NÜCHTERN | Kultur | aus FALTER 42/01 vom 17.10.2001

MUSIK. Klavier-Trios von Brad Mehldau und Keith Jarrett: ein beachtliches Album und ein grandioses Comeback. 

Obgleich sie locker eine Musiker-Generation voneinander entfernt sind, haben Keith Jarrett (Jahrgang 1945) und Brad Mehldau (Jahrgang 1970) erstaunlich viel gemeinsam: Beide Pianisten haben eine klassische Ausbildung genossen; beide haben eine große Liebe zum Repertoir des Great American Songbook entwickelt; beide spielen seit längerer bzw. sehr langer Zeit in einem personell unveränderten Trio in Standardbesetzung mit Bass und Schlagzeug; beiden haftet der Ruf an, nicht gerade zu den unkompliziertesten Persönlichkeiten des Jazz zu zählen; und schließlich haben beide soeben Live-Aufnahmen ihres Trios herausgebracht, zu denen sie auch die liner notes verfassten.

  Hier tun sich allerdings die ersten Unterschiede auf: Während sich der maulfaule Jarrett ausnahmsweise ein paar Zeilen abgenötigt hat, füllte Mehldau das Booklet mit einem seiner gewohnten, nur nach mehrfachem

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