KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 42/01 vom 17.10.2001

Letzte Woche eröffnete in Las Vegas ein neues Guggenheim-Museum. Es umfasst zwei Teile: eine 6000 Quadratmeter große Ausstellungshalle und die "Guggenheim Hermitage" getaufte Galerie mit größtenteils aus der St. Petersburger Eremitage stammenden Gemälden. Entworfen hat die von Tageslicht durchflutete Anlage (absolutes Tabu im Spielerparadies!) der Architekt Rem Koolhaas; initiiert wurde das cool-rationalistische Ergebnis lustigerweise vom Besitzer des Themenhotels "Venetian", dem kitschigen Kleinvenedig der Wüstenstadt. Ein Modell des begeistert aufgenommenen Baus, von dem die Kritik schon prophezeit, er werde eine neue stilistische Phase von Vegas einleiten, ist derzeit in der Ausstellung "The Magic Hour" im Künstlerhaus Graz zu sehen (bis 4.11.). Die Schau zeigt Kunst, die sich auf Vegas oder Spielhöllen an sich bezieht, genauso wie objets trouvés (etwa das riesige A einer abmontierten Leuchtschrift). Angesichts der mittelmäßigen Arbeiten wird hier jedoch schnell klar, dass die Architektur von Las Vegas die eigentliche Kunst ist. Zusätzlich konnten die Kuratoren der Versuchung nicht widerstehen, dem Ausstellungsraum ein Kasinoambiente zu verpassen, und so wird mit extrem gemustertem Teppich und Bronzeschildern über die Kitsch thematisierende Kunst noch eine peinliche Schicht Pseudokitsch gelegt.

  Mit einer Recherche zum sozialen Wohnbau in Brasilien eröffnen die Künstler Sabine Bitter und Helmut Weber am 24.10., 20 Uhr, den neuen Ausstellungsraum Galerie Nullmaschine (2., Haidgasse 4/11). Die in Rio entstandene Videoarbeit "Live Like This" (bis 23.11.) befasst sich mit dem gesellschaftsverändernden Anspruch von Architektur.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige