Stadtrand: Flutlicht im Kaffeehaus

Stadtleben | aus FALTER 42/01 vom 17.10.2001

Die Tage werden kürzer, übernächsten Sonntag ist die Sommerzeit vorbei und die Uhren gehen wieder vor. Es ist so weit. Winter. In den Kaffeehäusern muss bereits am Nachmittag die Beleuchtung eingeschaltet werden. Macht ja nichts. Wie heimelig (um das Ganze mal positiv zu sehen). Draußen ist es finster, drinnen gibts Heißgetränke, Mehlspeisen und Zeitschriften. Gemütlich. Manche Kaffeehausbesitzer sollten allerdings das Licht vielleicht lieber doch nicht so früh anmachen. Das könnte die Gäste verschrecken. Der Unterschied zwischen heimelig und steril besteht nämlich in der Auswahl der Leuchtmittel. Löblich, aber hässlich: Energiesparlampen. Sie tauchen zum Beispiel das an sich ganz schöne Café Ritter in gleißendes Flutlicht. Straßenbeleuchtung? Kann die Stadt sich sparen. Weißes Neonlicht lässt selbst Models hässlich aussehen. Aber zum Lesen ist es prima. Gut, aber unökologisch sind Glühbirnen. Das gelbliche Licht im Café Sperl zum Beispiel. Es macht Menschen schön - und gleichzeitig schlechte Augen. Weil man beim Zeitunglesen so wenig sieht. Wie wäre es mit Leselampen direkt am Tisch? So wie in Zügen und Flugzeugen: Wer lesen mag, kann lesen, wer lieber dämmert - bitte sehr. Lächerlich? Besser als Flutlicht allemal. C. W.


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