LEBEN MIT TOURETTE: "Na, bin ichs bald?"

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 42/01 vom 17.10.2001

Ich bin ständig unter Druck." Michaela Grimm ist eine lebhafte junge Frau. Sie redet so schnell wie ein Wasserfall, und mitunter gestikuliert sie auch ziemlich wild. Trotzdem: Dass sie unter dem Tourette-Syndrom leidet, ist ihr fast nicht anzumerken. Das heißt, eigentlich leidet die 27-Jährige längst nicht mehr unter ihrer Krankheit. Michaela hat gelernt, damit zu leben. Und genau das erwartet sie jetzt auch von ihrer Umwelt.

  Als sie klein war, und auch noch später, dachten die Leute, Michaela sei einfach extrem hyperaktiv. Doch ihre Gesten und Worte wurden oft auch als aggressive Attacken und Beleidigungen missverstanden. "Hör auf damit", musste sie sich als Kind immer anhören, wenn sie nicht richtig "ticte", wie Tourette-Betroffene ihre Auszucker nennen. Eltern, Freunde, Schulkollegen und Lehrer verstanden einfach nicht, wieso sie immer wieder Worte wie "Hure" in ihre Sätze einbaute. Wieso es sie so reizte, das "R" auszusprechen. Oder das zischende "S". Niemand verstand, wieso


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