STANDPUNKT: Keinen Finger

Politik | aus FALTER 43/01 vom 24.10.2001

Wie toll Sicherheit sein kann, das haben die FPÖ-Spitzen mediengerecht vorgezeigt: Vor laufender Kamera gaben Haider, Riess-Passer und Westenthaler ihre Fingerabdrücke ab. Tut doch gar nicht weh. Meine Finger kriegen sie trotzdem nicht. Wozu denn auch? Rasterfahndung und Lauschangriff haben wir bereits, und mit den nun vorgeschlagenen Antiterrormethoden der FPÖ - von beschleunigten Asylverfahren über Fingerprints für alle bis zur Ausweisung von Ausländern, die zu einer Gewalttat aufrufen - hätte man den "Herrn Atta" (Peter Westenthaler) auch nicht erwischt. Der war nämlich weder Asylwerber noch mit einem gefälschten Pass in Richtung World Trade Center unterwegs. Und er hat vorher auch nicht lautstark verkündet, dass er das WTC zerstören werde. Es ist schon vernünftig, sich jetzt zu überlegen, was man tun kann, damit in Zukunft keine Kamikazeflieger Maschinen in eine falsche Richtung lenken und Tausende Menschen töten. Unter dem Vorwand, den Terrorismus zu bekämpfen, die grundlegenden Rechte der Bürger sukzessive einzuschränken kann aber nicht der richtige Weg sein. Man muss nämlich nicht unbedingt Schwerverbrecher oder Terrorist sein, wenn man keine Fingerabdrücke abgeben möchte. Es genügt doch wohl schon, ein mündiger Bürger zu sein, um eine solche Maßnahme abzulehnen. N. H.


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