AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 43/01 vom 24.10.2001

Angeblich wird dem Märchen vom Tellerwäscher, der es zum Millionär brachte, in den USA noch immer Glauben geschenkt. Sam, der Sohn einer Truckernutte aus dem Mittleren Westen und Alter Ego des 20-jährigen Schriftstellers J.T. LeRoy, glaubt mit seinen zwölf Jahren, dass eine Existenz als Kindertransvestit im Grunde nichts anderes als solch eine Traumkarriere darstellt. So unbeschwert wie einst Hans im Glück zieht der kleine Sam hinaus in die Fremde, wo er unter dem Namen Sarah und als Mädchen verkleidet beim miesesten aller Zuhälter sein Glück machen will. LeRoys Romanerstling "Sarah" ist hübsch geschrieben und völlig pervers, weil gänzlich von jeglicher Reflexion und Distanz befreit und zudem noch mit einem Happy End versehen - obwohl Sam als Bub enttarnt wird. Obwohl von Dutzenden stinkender Trucker so lange gevögelt, bis er nur noch ein Klumpen misshandelten Fleisches ist, lässt LeRoy seinen Sam in Siegerlaune nach Hause zurückkehren. Schließlich hat der käufliche Knabe

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