STREIFENWEISE

Kultur | Maya McKechneay / Michael Loebenstein | aus FALTER 43/01 vom 24.10.2001

Ein junger Mann (Alexander Pschill) wandert durch den Prater, wo, wie man spätestens seit Jelineks "Klavierspielerin" weiß, nächtens einiges Getummel herrscht. Der junge Mann aber hat das Buch nicht gelesen und ist so einigermaßen erschrocken, als er Zeuge der Betriebsamkeit in den Büschen wird, ihn zwei Gören als Päderasten beschimpfen, ein homosexueller Pensionist sein Knie liebkost und er zuletzt von einem Zuhälter vermöbelt wird. Nur die Klofrau Veronika (Marianne Sägebrecht) versteht sein Leiden: "Ich habs auch satt, die ganzen Drogen und die Dekadenz." ",Thanksgivin' ist ein nachtblaues Outcast-Psychogramm ohne die üblichen sozialkritischen Attitüden", schreibt Regisseur Michael Pfeifenberger im Presseheft, um sich anschließend zu beschweren, dass er den Film über weite Strecken selbst finanzieren musste. Tatsächlich ist "Thanksgivin' - Die nachtblaue Stadt" eine einzige filmgewordene Attitüde (eitel, unsympathisch und stümperhaft umgesetzt).

  Ein anderer Film, eine andere Stadt. Catch, ein mysteriöser junger Mann im schäbigen, langen Mantel (James Caviezel) rettet eine junge Polizistin (Jennifer "Let's get loud" Lopez) aus einer prekären Situation. Der namenlose Stadtstreicher und die toughe Polizistin werden ein Liebespaar, ohne einander die Quelle ihres individuellen Schmerzes zu offenbaren. "Angel Eyes" (Regie: Luis Mandoki) erzählt von zwei Getriebenen: ein bisserl Mystery (Ist Catch vielleicht ein Geist? Oder ein Schutzengerl?) und ein Ende in schmalzigem Wohlgefallen - alles Attribute, die für ein baldiges Verschwinden des Films aus den Kinos sprechen. Schade um James Caviezel: ein beeindruckender Schauspieler, nach "Pay it Forward" wieder einmal im falschen Film zu sehen.


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