KRITIK: Herbst, zeitlos

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 43/01 vom 24.10.2001

Die Inhaltsangabe klingt beinahe so, als hätte Woody Allen sich eine Persiflage auf schwermütige Literatur aus dem hohen Norden ausgedacht: Auf einem herbstlichen Friedhof begegnen einander ein Mann und eine Frau, die sich vor langer Zeit vielleicht einmal geliebt haben. Zwischen den Grabsteinen beschließen sie, ihrer Liebe eine Chance zu geben. Der Mann verlässt seine Familie und trifft die Exgattin erst beim Begräbnis seines Vaters wieder; sie eröffnet ihm, dass ihr gemeinsamer Sohn schwer krank ist. Als er sie das nächste Mal - natürlich wieder auf dem Gottesacker - sieht, ist der Sohn gestorben. Aber da hat er auch nicht mehr lange zu leben.

  "Traum im Herbst" (uraufgeführt 1999 in Oslo) ist hart an der Grenze zur Peinlichkeit geschrieben; es wird nicht nur mehr geredet als in anderen Fosse-Stücken, es wird auch noch ausführlich über Liebe geredet. Doch Fosses Sprache ist so entwaffnend klar und deutlich, dass Kitsch keine Chance hat; und mit einem formalen Kunstgriff


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