Vietnam existiert nicht

Kultur | Stefan Reinecke | aus FALTER 43/01 vom 24.10.2001

Film. "Apocalypse Now Redux", die Neufassung von Francis Ford Coppolas Kriegsfilmklassiker, ist 45 Minuten länger als das Original. Interessanter als das neue Material ist die Konfrontation mit einer Zeit, als man Kriege noch verfilmen konnte. 

Spätestens seit dem Golfkrieg wissen wir, dass wir im Fernsehen nur Interpretationen sehen, dass die Bilder ihre Beweiskraft verloren haben. Wie süchtig sitzen wir vor dem Fernseher und schauen ratlos dem paradoxen Strom der Bilder eines bilderlosen Krieges zu. Afghanistan ist, wie der Irak vor zehn Jahren, wie der Kosovo vor zwei Jahren, ein schwarzes Loch. Was dort geschieht, erfahren wir nicht aus den CNN-Bildern, und doch können wir unseren Blick nicht abwenden.

  Kann man derzeit ins Kino gehen, um sich zwanzig Jahre alte inszenierte Kriegsbilder anzuschauen? Man kann, und vielleicht lässt sich aus "Apocalypse Now" mehr erfahren als aus dem Fluss der TV-Bilder. Keine Antworten, im Gegenteil. "Apocalypse" spiegelt - so radikal wie sonst


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