KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 43/01 vom 24.10.2001

Einen ganzen Spielfilm in einem einzigen Bild einzufangen - das war das ursprüngliche Ziel von Hiroshi Sugimoto, als er Ende der Siebzigerjahre begann, Kinos zu fotografieren. Als Ergebnis des Experiments mit zweistündiger Belichtungszeit fand der japanische Künstler auf der Kinoleinwand jedoch keine verschwommenen Filmszenen, sondern nur mehr ein leuchtend weißes Rechteck. "Ein Ausdruck für Überinformation" erklärt Sugimoto und betont, dass er dieses Konzept in jedem beliebigen Kino verwirklichen hätte können, er dem Betrachter aber auch einen interessanten Rahmen bieten wollte. So begab er sich auf die Suche nach damals noch existenten US-Filmpalästen aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren, deren Balkone, Freskos, Samtvorhänge, Stuck- und Goldverzierungen in den dunklen Kinosälen nur durch das reflektierte Filmlicht sichtbar werden. Während im Kunsthaus Bregenz gerade eine große Personale Sugimotos zu sehen ist, zeigt die diesjährige Viennale-Ausstellung in der Galerie Klaus Engelhorn 22 (bis 8.11.) etliche Arbeiten des Starfotografen sowie erstmals die gesamte Serie seiner Kinoansichten als Fotogravuren; unter diesen auch Bilder von Drive-in-Kinos und Kinosälen in Japan und Europa. In Wien wurde der Fotograf ebenfalls schon fündig: Bald werden das Gartenbau und das Metro-Kino Teil der auratischen Sammlung Sugimotos sein. Seit zwanzig Jahren arbeitet der Künstler an einigen wenigen, technisch ausgefeilten Zyklen: Horizonte in "Seascapes", eingefrorene Zeit in "Wax Museums" und "Dioramas" sowie Klassiker der Moderne in "Architectures". Ob der Betrachter das Konzept dahinter versteht oder sich einfach faszinieren lässt, ist Sugimoto vollkommen egal.


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