Kommentar: Schön sprechen, Herr Schüssel!

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 44/01 vom 31.10.2001

An sich habe ich für habituelle Politikerverachtung recht wenig Sympathien, vor allem, wenn sie in erster Linie dem Nachweis der eigenen Kulturbeflissenheit dienen soll. Wir kennen dergleichen ja: Eine Schriftstellerin wird gefeiert, und ihr Verleger erklärt in seiner Festansprache, dass die heimischen Politiker bekanntlich keine zwei geraden Sätze aneinander zu reihen vermögen. Auf diese Weise hat man sich mit geringstmöglichem Aufwand der eigenen Überlegenheit versichert, und die Kulturkarawane darf weiterziehen.

Großer Beliebtheit unter den so genannten Kulturschaffenden erfreut sich auch das Frankreich-Beneidungs-Spiel: In Frankreich, ja, da gibt es noch lyriklesende Präsidenten, und Schriftsteller, die Politiker werden, und auch noch jemanden wie Jacques Lang ... Stimmt schon. Unangenehm an dem öffentlichen Bedauern dieses Zustands ist lediglich der unausgesprochene Begleittext, demzufolge der oder die Beschwerdeführende ja eigentlich der Jacques Lang von Österreich sei.


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