SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 44/01 vom 31.10.2001

Das Wichtigste an einem Witz ist die Ökonomie. Und Ökonomie ist nur ein anderes Wort für Dramaturgie, womit wir schon beim Theater wären. Steht ein Mann vor der Tür. Sagt der andere: "Komm ma INRI!" So halbwegs lustig ist das, weil man gar nicht weiß, ob man sich gerade zur Zeit der Völkerwanderung oder im Wohnzimmer einer Berliner Prollfamilie befindet. Das Theater des Lachens aus Berlin zeigt im dietheater Künstlerhaus seine neue Produktion "Don Quixote", sehr frei improvisiert nach Cervantes. Das sympathische Männerensemble springt von einem Umweg zum nächsten, quer durch die Jahrhunderte, und macht ein wenig auf Monty Python. Figuren gibt es keine, eher Klamauk, der nicht mehr ganz frisch und oft wie schlechtes Kabarett wirkt. Wie killt man einen Witz? Wenn die auf der Bühne dauernd vormachen, wie witzig es ist, witzig zu sein, vergeht einem als Zuschauer schnell das Lachen.

  Legt eine Regisseurin die Regie nieder. Sagt das Ensemble: Wir machen alleine weiter. Lustig ist das nur, wenn man bedenkt, dass hinter jedem guten Witz eine Katastrophe steckt. Im Programmheft zur Schnitzler-Collage "Liebe. 4 Komödien" wird Barbara Bilabel gar nicht mehr genannt. Dafür trumpft im Volkstheater das Ensemble auf. Schnitzler, einmal unsubtil. Wie die Faust aufs Aug. Jeder hat eine andere Vorstellung, wie man Schnitzler spielen soll: Birgit Doll mags altmodisch, als Kammerspiel, Fritz Hammel meint vital, Erich Schleyer setzt zu viel auf Sektlaune, Erwin Ebenbauer wienert, was das Zeug hält. Alexander Goebel, dem man in der Rolle des alternden eitlen Schauspielers - angelegt als Riesenbaby - am liebsten zuschaut, verbindet Boulevard mit Selbstironie. Die Kombination aus den Einaktern "Literatur", "Große Szene", "Komtesse Mizzi" und "Das Bacchusfest" ist ein entgleister, viel zu langer bunter Abend. Dafür weiß man jetzt, was Regie ist: wenn jemand alle möglichen verschiedenen Vorstellungen unter einen Hut bringt.


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