KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 44/01 vom 31.10.2001

In einem Text von 1972 beschreibt Robert Smithson, worauf er bei der Suche nach dem geeigneten Ort für sein Projekt "Spiral Jetty" gestoßen ist: Verlassene Molen, klebrig-rostige Ölförderpumpen, Teerbecken, Tanks und Schrott lagerten rund um den Großen Salzsee in Utah, wo er schließlich die riesige Spirale aus Stein und Schlamm realisierte. "Trümmer einer modern-prähistorischen Welt" nennt sie Smithson, und hier klingt an, dass er sie weniger als Spuren einer destruktiven Ausbeutung wahrnahm als vielmehr als einen Teil der Evolution. "Smithson betrachtete Vorfälle der Geologie als kulturelle Entwicklungen und umgekehrt Eingriffe des Menschen als erdzeitlich relevante Vorgänge", schreibt der Kurator Thomas Trummer im Katalog zur Ausstellung "The Waste Land" im Atelier Augarten (bis 24.2.2002), die - ausgehend von Smithsons Konzepten - Tendenzen in der zeitgenössischen Landschaftsfotografie erforscht. Unter den gezeigten Arbeiten hält Lois Weinberger Armut von Mensch, Tier und Pflanze an der Peripherie Lissabons fest; der Däne Joachim Koester wiederholt die Expedition, die ein schwedischer Wissenschaftler 1870 nach Grönland unternahm, und verbindet seine Bilder vom ewigen Eis mit Zitaten des Gelehrten; die englischen Schwestern Jane und Louise Wilson haben eine stillgelegte Raketenstation in der Wüste Kasachstans fotografiert. Die Videos des Schweizers Roman Signer zeichnet vor allem lakonischer Humor aus: Zum Beispiel lässt er sich, in einem Kajak sitzend, von einem Auto hinterherschleifen und präsentiert dann der Videokamera den durchgescheuerten Boden des Boots wie das Ergebnis einer besonders kratzigen Naturgewalt. Signers Hintern scheint bei dem Selbstversuch keinen Schaden genommen zu haben.


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