Fragen Sie Frau Andrea: Sack oder Jack

Stadtleben | aus FALTER 44/01 vom 31.10.2001

Sehr geehrte Frau Andrea!

Ich bin hoch erfreut, im Rahmen Ihres beispiellosen Einsatzes eine alte Frage stellen zu können. Diese kann in ihrer Komplexität jedoch nur in drei Teilen formuliert werden: Ist die Jackensucht das männliche Pendant zur weiblichen Schuhsucht? Oder zählen Sakkos gar nicht zur Gattung der Jacke, was meine Jackensammlung entsprechend verkleinern würde, und ich mich quasi spontangeheilt sehen könnte? Und wie lautet eigentlich die männliche Form von Tussi? In dankbarer Hochachtung, Bernhard W. Litschauer, Brigittenau

Lieber Bernhard,

vielen Dank für das elaborierte Fragentryptichon. Es ist nicht so einfach, ein männliches Pendant zur weiblichen Schuhsucht zu finden. (Ich persönlich halte es für ausgeschlossen.) Vorrangig würde ich verwandte Formen eher im exzessiven Kravattismus suchen oder im fortgeschrittenen Kappenwahn. Aber auch die von Ihnen erlebte Jackensucht kann durchaus (marginal) weibliche Formen annehmen. Jackenbesitz, der das gute Dutzend übersteigt, mag schon in diese Richtung gehen. Sakkos sind natürlich als Jacken anzusehen und verkleinern daher keineswegs Ihre Jackenkollektion. Sollten Sie Anzüge tragen, zählten deren Jacken allerdings nicht, denn Anzüge sind trotz ihrer Mehrteiligkeit als unteilbare Komplettbekleidung anzusehen. Eine Spontanheilung kann ich bei dem bei Ihnen offenbar vorliegenden Jacketismus daher nicht diagnostizieren. Ihre letzte Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Die männliche Form des weiblichen "Tussi" existiert meines Erachtens nicht. Tussi ist ein männlich-chauvinistisches Pejorativ, dem ein allenfalls angenähertes "Tuss", "Tusser" oder gar "Tusserich" nicht "gerecht" würde. Wollte man den idealen Partner für eine Tussi benennen, kämen Begriffe wie "Kerl", "Knilch" und "Koffer", am ehesten aber "Pächter" in Frage.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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