CITY CINEMAS: Ausgleich statt Konkurs

Stadtleben | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 44/01 vom 31.10.2001

Totgesagte leben länger. Hoffentlich. Denn im vorliegenden Fall, dem Ausgleich der privaten Kinobetreibergesellschaft City Cinemas, stehen mit Standorten wie dem Gartenbau, dem Metro oder dem Flotten die letzten Reste der traditionellen Kinokultur in Wien auf dem Spiel.

  So akut diese neuerliche Krise ist, sie kommt doch keineswegs überraschend. Lange bevor sich die Gemeinde im Frühjahr 1999 von ihren verbliebenen Kinos (neun davon in Wien, das zehnte in Amstetten) und deren Betriebsgesellschaft (KIBA) trennte, war klar, dass es mit einem Besitzerwechsel allein nicht getan sein würde. "Es ist ein Wagnis und Abenteuer", bekannte Michael Stejskal, neuer Programmchef der Kinokette, damals im Gespräch mit dem Falter, "aber ich finde, es ist es wert, sich darauf einzulassen."

  Anders freilich die Kommunalpolitiker: Peter Marboe, seinerzeit noch Kulturstadtrat, sah die "maximale Kinovielfalt" in Wien bereits wieder "garantiert", derweil sein Parteikollege Bernhard Görg als zuständiger Planungsstadtrat dem grotesken Boom der Multiplexe auch weiterhin tatenlos zusah. Binnen der letzten fünf Jahre hat sich die Sitzplatzkapazität der Kinos in Wien mehr als verdoppelt; die Zahl der verkauften Eintrittskarten stieg indessen knapp um ein Drittel. Dass sich das weder für alteingesessene Betriebe noch die Kinos der neuen Generation ausgeht, davon hätte man sich in jeder beliebigen deutschen Großstadt überzeugen können. Marboes halbherzige Reform der Kinoförderung besorgte den Rest.

  Zwei ihrer Standorte in Wien haben die City Cinemas seither bereits geschlossen (Elite, Gloria); wenigstens zwei weitere dürften es diesmal sein (Top, Schottentor). Wie hoch die Außenstände derzeit tatsächlich sind, wurde nicht verlautbart, nur so viel: "Wenn ich nicht optimistisch wäre", bemerkte Kurt Stocker, Sprecher der Kinogruppe, trocken, "hätten wir nicht Ausgleich, sondern Konkurs angemeldet."


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