STANDPUNKT: St. Strasser spricht:

Politik | aus FALTER 45/01 vom 07.11.2001

Liebe Flüchtlinge! Ihr habt einen langen, teuren und gefährlichen Weg auf euch genommen, um eurem verbrecherischen Heimatstaate zu entkommen. Euren Frauen wurde der Finger abgehackt, weil sie ihn mit Nagellack schmückten. Ihr musstet mittelalterliche Bärte tragen, auf jegliche Freuden verzichten. Nun seid ihr endlich bei uns! Willkommen! Wir haben uns völkerrechtlich dazu verpflichtet, Menschen wie euch für die Dauer der politischen Verfolgung Schutz zu gewähren. Wir sind eines der reichsten Länder und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Auch ich habe einst bei der Caritas gearbeitet und kenne eure Ängste und Bedürfnisse. Ich habe deshalb meine Beamten angewiesen, euch rasch in Pensionen unterzubringen und eure Asylanträge umgehend zu behandeln. Gebt jedoch Acht: Unsere Bevölkerung ist ein wenig verunsichert, weil Populisten behaupten, ihr seiet alle Terroristen. Macht keinen Fehler: Ich werde dieser Verhetzung entgegentreten, wann immer ich kann. Ich werde betonen, dass Ärzte, Techniker, Arbeiter unter euch sind. Wir werden euch finanziell unterstützen und euch Deutschkurse anbieten. Österreich braucht euch. Willkommen! Und wenn ihr euch fragt, warum ich derart zu euch spreche, antworte ich euch mit einer österreichischen Lebensweisheit: "Ma waaß nie, für wos guat is!" F. K.


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