STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 45/01 vom 07.11.2001

Free Cinema" nahm im Februar 1956 in London seinen Ausgang. Unter diesem Titel, der bald zum Inbegriff des jungen britischen Filmschaffens wurde, stellte Lindsay Anderson mit befreundeten Filmstudenten und Regisseuren eine sechsteilige Filmreihe zusammen, die ein welthaltiges und experimentierfreudiges, kurz "freies Kino" reklamierte. Eine schöne Auswahl der seinerzeit präsentierten Arbeiten steht im Mittelpunkt von "A London Tale: London on Film 1896-2001", einer groß angelegten Retrospektiven im Filmhaus Stöbergasse.

  Neben "Everyday Except Christmas", den Anderson gemeinsam mit Karel Reisz über das Marktgebiet von Covent Garden drehte, stehen u.a. die zwei grandiosen Reportagen, in denen sich Reisz den so genannten Teddy-Boys ("Momma Don't Allow") und den ersten Beatniks ("We're the Lambeth Boys") widmete, auf dem Programm. Der schönste Film der originalen "Free Cinema"-Reihe allerdings wurde von Lorenza Mazzetti realisiert, einer jungen, von der SS zur Vollwaise gemachten Italienerin, die Mitte der Fünfzigerjahre in London studierte und mit "Together" einen ganz wunderbaren, semi-dokumentarischen Film über zwei taubstumme Arbeiter aus dem East-End inszenierte. (Mazzetti lebt heute, von der Filmgeschichte praktisch vergessen, in Rom und ist Prinzipalin eines Puppentheaters.) Also, nicht nur für London-Fans: höchste Empfehlung!


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