Wolf Martin im Fleischwolf

Kultur | PETRA RATHMANNER | aus FALTER 45/01 vom 07.11.2001

LITERATUR. Der Poetry-Slam, eine Fusion aus Literatur und Performance, erfreut sich auch in Wien zunehmender Beliebtheit. Am Kampf um den Titel des besten Slammers, der dieser Tage in Hamburg über die Bühne gehen wird, nehmen auch vier Wiener teil. 

Ein junger Mann steht auf einem niedrigen Podest, zupft nervös an den langen Ärmeln seines Pullovers, sodass sie noch länger werden, räuspert sich, presst den Zeigefinger auf den Daumen, hebt den Arm in die Höhe und legt los. Lauthals rezitiert er ein Gedicht, bei dem er einen Vers des berüchtigten Krone-Lyrikers Wolf Martin so lang durch den Fleischwolf dreht, bis nur mehr Wortfetzen übrig bleiben, die ihrerseits eine schillernd unsinnige Lautpoesie ergeben. Der junge Mann braucht volle Konzentration, um sich nicht zu verhaspeln. Sein Publikum auch. Es sitzt in Reichweite auf der Couch, hängt an der Bar, klebt an der Wand oder kauert auf dem Boden. Kaum jemand ist über 30. Nach den üblichen Verdächtigen des Literaturbetriebs hält


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