STANDPUNKT: Ofoedus Fall

Politik | aus FALTER 46/01 vom 14.11.2001

Der Schriftsteller Charles Ofoedu diente Polizisten als passendes Symbol. Ein als Drogenboss entlarvter schwarzer "Dichter". Was gibt es Schöneres! In Wirklichkeit ist Ofoedu ein Mann, der sich nicht klar genug von der Drogenszene abgegrenzt hat und dafür weit mehr bezahlen muss als ein Künstler weißer Hautfarbe. Kurz nach dem Fall Omofuma und dem ersten Lauschangriff der "Operation Spring" galt er in den Augen des damaligen Generaldirektors für die Öffentliche Sicherheit, Michael Sika, als "Boss eines internationalen Drogenkartells". Das Innenministerium, durch die Knebelbeamten in Bedrängnis geraten, machte die Medien aufmerksam, dass Ofoedu - welch ein Skandal! - sogar mit Grünen demonstrierte! Langsam stellte sich jedoch heraus, dass Sikas Anschuldigung so nicht stimmte. Ofoedu, so urteilte das Gericht, hatte ein paarmal Gelder überwiesen, deren Herkunft aus dem Drogengeschäft ihm bewusst gewesen sein muss. Bekommen hat er dafür fast nichts, außer eine relativ milde bedingte zehnmonatige Haftstrafe wegen Geldwäscherei. Nun soll Ofoedu auch verbannt werden. Die Fremdenpolizei sieht in ihm eine "Gefährdung der Sicherheit", steckte ihn in Schubhaft, ehe sein Fall vom Verfassungsgerichtshof überprüft wurde. Genau das ist auch einem anderen Schubhäftling passiert. Sein Name: Marcus Omofuma. F. K.


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