O Mother, Where Art Thou?

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 48/01 vom 28.11.2001

MUSIK. Der großartige Singer/Songwriter Loudon Wainwright III steht ohne Vertrieb da - kein Wunder, ist er doch "Last Man On Earth". 

Was ist schlimmer: Männer, die weinen, oder Männer, die nicht weinen können? Oft wechselt der Aggregatzustand ja sehr plötzlich von fest in flüssig, wie man schon von dem Song "The Man Who Couldn't Cry" weiß, den Loudon Wainwright III geschrieben und Johnny Cash auf seinen "American Recordings" gecovert hat. Diesmal aber ist Wainwright wild entschlossen: "I'm Not Gonna Cry." Was vierzig Jahre lang überhaupt kein Problem war, ist nun eine Frage höchster Willensanstrengung: Nur nicht flennen!

  Dabei gibt es Grund genug, einfach loszuheulen. Wainwrights jüngstes Album, "Last Man on Earth", handelt so gut wie ausschließlich von Alter, Abschied und Tod. Der Singer/Songwriter ist im letzten Jahr 53 geworden, und "Living Alone" erzählt mit herzzerreißend selbstmitleidigem Pathos von der existenziellen Last dieser Erfahrung: "Du bist jetzt 53 / Du


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