"Die Engel sind ungewiss"

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 48/01 vom 28.11.2001

LITERATUR. 55 Jahre nach ihrer Niederschrift werden Christine Lavants autobiografische "Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus" erstmals veröffentlicht - ein Ereignis. 

Es macht zwar nicht so viel her wie ein handschriftliches Manuskript eines weltweit anerkannten Ohlsdorfer Dichterfürsten, aber wenn 55 Jahre nach seiner Entstehung ein Werk Christine Lavants erstmals veröffentlicht wird, ist es allemal ein literarisches Ereignis - insbesondere wenn es sich um ein so beeindruckendes Werk handelt wie bei den "Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus". Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider, die verdienstvollen Herausgeberinnen, sind in ihrem penibel recherchierten Nachwort bemüht, Lavants Text von "Schlüsselromanhaftem" abzugrenzen, weisen aber auch nach, dass sehr viel eine Entsprechung in der Vita der Autorin hat: Nachweislich hat sich die 20-jährige Lavant im Herbst 1935 nach einem Selbstmordversuch mit Tabletten freiwillig für sechs Wochen einer Arsenkur in der Klagenfurter "Landes-Irrenanstalt"


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