SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 48/01 vom 28.11.2001

Man soll nie den Schluss verraten. Schon gar nicht bei einem Stück, in dem alles auf das Ende hinausläuft: "norway.today" vom Schweizer Igor Bauersima (siehe Falter 47/01) handelt von zwei jungen Leuten, die sich per Internet zum Doppelselbstmord in Norwegen verabredet haben - eine Geschichte, die sich Anfang 2000 tatsächlich ereignet hat. Klingt heavy, ist aber überraschend leicht und unterhaltsam geraten: Auf dem Volkstheater-plafond vermitteln Chris Pichler und Florian Teichtmeister jedenfalls nie das Gefühl, dass es hier um Leben und Tod geht. Eigentlich scheint das eine ganz normale Boy-meets-girl-Geschichte zu sein; nur dass die beiden einander halt beim Aufnehmen von Abschiedsvideos näher kommen. Bleibt die Frage, worauf das alles hinausläuft: Springen sie nun, oder springen sie nicht? Leider hat Regisseur Martin Schulze das Ende so ungeschickt inszeniert, dass man den Schluss beim besten Willen nicht verraten kann.

  Der Monolog "Kaspel" von Alfred Goubran (bekannt als Betreiber der edition selene) ist der typische Fall eines Theatertextes, der sich dem Theater "verweigert": Man weiß nicht genau, wer da spricht, und man kapiert auch nicht so genau, was er eigentlich sagen will. Entsprechend anstrengend sind solche Texte dann meistens auch. Dass die Uraufführung im Galerie-Café Kandinsky dennoch relativ kurzweilige 45 Minuten bereitet, ist dem Schauspieler Hubert Wolf (bekannt aus der Kika-Werbung) zu verdanken, der für die nicht unwitzige, entfernt an Werner Schwab erinnernde Suada - mit "Kaspel" bezeichnet man Speisereste, die für Schweinefutter gesammelt werden - einen ziemlich lässigen Ton findet. Regisseur Wolfgang Palka (bekannt als ehemaliger Volkstheaterdramaturg) hat offenbar saubere Textarbeit geleistet - und für die kitschigen Bilder, die in der Galerie an der Wand hängen, kann er ja nichts.


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