NÜCHTERN BETRACHTET: The Kings of Knuspiness in Klagenfurt

Kultur | aus FALTER 48/01 vom 28.11.2001

Bevor sich Tex im Intercity ADEG von Klagenfurt nach Wien (wie albern dürfen Zugsnamen eigentlich werden? Kann man die kaufen? Ich hätte nämlich großes Interesse daran. "Regionalzug Crazy Bärenfellmütze von St. Valentin nach Kleinreifling fährt um 12.22 Uhr auf Bahnsteig zwei ab" - das hätte doch was) die Sympathien eines Strom- und Elektronikschülers aus Zeltweg erwerben konnte ("Ich liiiiebe Zeltweg!", brüllte Tex, kaum hatte er die Herkunft des jungen Mannes erfragt), mussten wir erst einmal nach Klagenfurt kommen. Dabei half uns der IC 539, und als ich Tex kurz nach 15.30 Uhr und Wiener Neustadt auf das knuspi Licht aufmerksam machte, deutete dieser meine Bemerkung zunächst bloß als Ausdruck des Wortdurchsetzungseifers, ehe er wenig später ein Einsehen hatte. Es war ein Freitag aus Licht. Ein Licht, das gelbfingrig aus barocken Wolkentürmen drang und Wiesen und Äcker fett zum Leuchten brachte, derweil sich gebirgwärts graues Schneegwölk finster ballte; ein Licht, das CCR-Songs durch den Kopf ziehen machte und dem falb durchwachsenen Föhrenflachland scharfe Konturen verlieh, sodass Tex, der weit gereist ist und viel gesehen hat, sofort an Afrika denken musste und tatsächlich eine äsende Antilopenherde erspähte. Später, im Steirischen, wusste der Himmel auch noch durch eine extrem knuspi Abendstimmung mit rosaorangen Wölkchen auf smaragdgrün-tiefblauem Hintergrund zu überzeugen. Unsere ins vorteilhafteste Licht gerückte Reise kulminierte in einem von uns mittels wort- und tongebundenen Psychotechniken gestalteten Abends, der getrost als fulminant bezeichnet werden darf. Das Foyer des Künstlerhauses tobte, denn dank Texens formidabler Disco-Single-Sammlung (an diesem Tag habe ich meinen Frieden mit den Achtzigerjahren gemacht) und meiner spontan entwickelten Fähigkeiten als Eintänzer, gelang es uns, selbst die tanzscheuen Klagenfurter in eine ekstatisch pulsierende Masse zuckender Leiber zu verwandeln.


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