Fragen Sie Frau Andrea: Warum Garum

Stadtleben | aus FALTER 48/01 vom 28.11.2001

Liebe Frau Andrea,

meine Freundin behauptet, die alten Römer hätten auch so eine Art "Maggi"-Würze gehabt, eine Substanz namens "Garium", die angeblich aus natürlich vorkommendem Erdöl hergestellt worden sei. Ich kann das nicht glauben.

Albrecht Conz, Internet

Lieber Albrecht,

Garum (auch liquamen oder muria), die legendäre Würze der Antike, wurde unter industriellen Bedingungen aus mazerierten, samt Blut und Eingeweiden in eine Salzmarinade eingelegten Fischen erzeugt, die gärend und stinkend über lange Zeiträume in der Sonne faulen mussten. Ob Fisch, Fleisch, Geflügel, Gemüse oder Salate, fast jedes Gericht würzten die Römer mit Garum. Es war für die römischen Geschmacksnerven so unersetzlich wie Ketchup für die heutiger Amerikaner. Garum war ein wichtiger Handelsartikel. Gesuchtes Garum kam aus Baetica, Südspanien und aus Karthago. Die Stinkesoße wurde von den neolithischen Bewohnern des westlichen Frankreich erfunden, später von keltischen Druiden verfeinert und schließlich von den Römern als ihre Universalwürze "Elexir" adoptiert. Seine angeblich therapeutische Wirkung wurde jüngst durch wissenschaftliche Studien bestätigt. Die Fischart "Garum armoricum" kann sowohl unter den extremen Drücken und geringen Sauerstoffkonzentrationen der Tiefsee als auch nahe der Wasseroberfläche überleben. Normalerweise können so extrem angepasste Tiefseefische in höheren Schichten nicht existieren. Sie würden an den Effekten dessen eingehen, was wir als Taucherkrankheit kennen. Extrakte aus Garum armoricum enthalten ein einzigartiges Gemisch von Antioxidantien, Fettsäuren und Neuropeptiden. Bei Menschen wirken diese als Angstlöser. Der Verdacht, dass Garum der berühmte "Zaubertrank" von Asterix und Obelix sein dürfte, liegt nahe.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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