STANDPUNKT: Temelín-Gewinner

Politik | aus FALTER 49/01 vom 05.12.2001

Wie man es dreht und wendet, Gewinner gibt es bei den Verhandlungen um Temelín nur einen: die Atomindustrie. Die kann sich freuen, dass nach vielen Jahren grünbewegter Proteste endlich wieder ein neues Kernkraftwerk ans Netz geht. Denn während in den USA überlegt wird, die momentan 110 alten AKWs in den nächsten zwanzig Jahren durch 200 neue Kernkraftwerke zu ersetzen, sind innerhalb der EU bereits zwölf von 15 Mitgliedsländer aus der Atomenergie ausgestiegen oder denken über einen Ausstieg nach. Eine Nichtinbetriebnahme des Kraftwerks Temelín wäre unter diesen Voraussetzungen natürlich eine Niederlage für die internationale Atomlobby. Denn nichts ist peinlicher, als ein eins-zu-eins-Modell á la Zwentendorf herumstehen zu haben, das nicht aufgedreht wird, weil die Menschen es nicht haben wollen. Und dafür, dass die tschechische Bevölkerung das AKW Temelín immer stärker haben möchte, obwohl es weder wirtschaftlich sinnvoll noch ungefährlich ist, wird in Österreich fleißig weiter gesorgt. Und zwar mit einem sinnlosen Volksbegehren. Statt guter Argumente, die die tschechische Bevölkerung überzeugen könnten, führt sich Wien auf wie schon in der Monarchie: Entweder die Tschechen tun, was wir wollen, oder sie können dort bleiben, wo der Pfeffer wächst. N. H.


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