Held für eine Nacht

NINA HORACZEK | Politik | aus FALTER 49/01 vom 05.12.2001

TEMELÍN. Wolfgang Schüssel ist als Sieger von den Brüsseler Temelín-Gesprächen zurückgekehrt. Aber bereits am Tag darauf wurde sein Vertrag mit Tschechien vom Koalitionspartner, der Opposition und Umweltschutzgruppen vernichtet. Zu Recht? 

Im Flugzeug von Brüssel nach Wien war der Bundeskanzler wieder gut gelaunt. Gemeinsam mit Journalisten trank Wolfgang Schüssel auf den Sieg des kleinen Österreichs. Sogar seine sonst diskreten Diplomaten erzählten fröhlich, wie sie den tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman zum Unterschreiben der Temelín-Einigung zwischen Österreich und der Tschechischen Republik bewegt haben: "In Prag war es Becherovka, im Stift Melk Klosterschnaps und in Brüssel half schließlich der Rotwein für den tschechischen Premierminister", erzählte ein Mitarbeiter Schüssels. Klingt schwer nach 1955, Leopold Figl und der Reblaus.

  Aber bereits am nächsten Morgen war Katerstimmung angesagt. Das Brüsseler Papier wurde nicht nur von der Opposition,

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