Fröhliche Urethralerotik

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 49/01 vom 05.12.2001

KUNST. Die schwedische Künstlerin Ann-Sofi Sidén stellt sich selbst beim Pinkeln aus und unterwandert ironisch männliche Ansprüche auf den öffentlichen Raum.

Es bereite, schreibt Freud in einer Fußnote zu seiner Schrift "Das Unbehagen in der Kultur", dem Urmann eine besondere Lust, züngelnde Flammen mit seinem Harnstrahl zu löschen. Erst der Verzicht auf diese Machtdemonstration soll die kulturelle Leistung der Feuererhaltung ermöglicht haben. Die Frau hingegen sei schon aufgrund ihrer Anatomie zur Hüterin des Feuers prädestiniert. Nicht nur Freud sieht im Urinieren ein Zeichen von Männlichkeit. Pinkeln in der Öffentlichkeit ist eine maskuline Domäne. Wie ungewohnt das Bild einer urinierenden Frau bis heute ist und welche Ansprüche in dieser animalischen Praxis mitschwingen, thematisiert die aktuelle Ausstellung der schwedischen Künstlerin Ann-Sofi Sidén.

  Im Mittelpunkt der dreiteiligen Schau steht ein Selbstporträt der Künstlerin in Form einer Skulptur; Schwarz-Weiß-Fotografien


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