Stadtrand: No more Knacker

Stadtleben | aus FALTER 49/01 vom 05.12.2001

Wenn nette Bekannte aus den EU-Nachbarländern nach Wien ziehen, macht sie eine liebenswerte Eigenschaft dieses Landes an sich und der Stadt im Besonderen total fertig: die Bürokratie. Unfreundliche, verdrossene Beamte mit Knackwurstcharme und einer Existenz, die als Dauerkaffeepause daherkommt - MA 2412 live. Der gelernte Wiener wusste schon immer, dass man damit leben muss: Amt bleibt Amt. Stimmt gar nicht! Mit dem Tod der Stempelmarke und der Einführung der segensreichen Bankomatkassa ist die Welt der Wiener Bürokratie jetzt nicht mehr ganz so trist. Im Gegenteil, da wird das Passholen zur spannenden Erfahrung. Dazu geht man nicht mehr ins alte räudige Passamt, sondern ins Polizeikommissariat Wattgasse - zum "Verwaltungspolizeilichen Dienstleistungszentrum" (oder so ähnlich). Klingt schick. Und kümmert sich vom Pass bis zum polizeilichen Leumundszeugnis um alles. Die Dienstleister-Damen dort sind alle rot getönt, gut gelaunt, machen Späßchen mit dem Kunden, essen ganz bestimmt keine Knacker, sind höflich und - superschnell. "Wie lange dauerts, bis ich den EU-Pass abholen kann?" - "Höchstens zwanzig Minuten, ist das ok?", fragt die Chef-Rothaarige. Passt. 15 Minuten später ist alles erledigt. "Vorsicht, der Pass ist noch heiß!" Cool, die Ottakringer. J. O.


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