STANDPUNKT: Nur net hudeln

Politik | aus FALTER 50/01 vom 12.12.2001

Mit der NS-Aufarbeitung haben es, vornehm ausgedrückt, viele der politischen Beteiligten nicht gerade eilig. Seit Monaten feilschen in Wien Rot und Grün, Schwarz und Blau etwa um die Rückgabe des Sportplatzes des jüdischen Vereins Hakoah. Der Platz im Prater wurde 1938 von den Nazis arisiert, bis heute kicken dort die Beamten des Finanzministeriums und die Mitarbeiter von Wienstrom. Am Montag verkündeten VP-Obmann Bernhard Görg und der FP-Gemeinderat Josef Wagner, dass der Augarten als neuer Standort "keinesfalls" in Frage käme. Die beiden oppositionellen Stadtpolitiker schlugen stattdessen den ursprünglichen Platz im Prater beziehungsweise das Gelände des Nordbahnhofes vor. Obwohl sie wissen, dass die Kultusgemeinde auf eine rasche Lösung drängt. Mindestens weitere zwei Jahre würde es dauern, bis man am Nordbahnhof beginnen könnte, einen Sportplatz zu bauen. Der ehemalige Hakoah-Platz im Prater wiederum ist nur schwer restiuierbar, weil dort bereits 1938 einige Wohnbauten errichtet wurden. Das weiß die FPÖ, das weiß auch Görg. Dafür will der Ex-Planungsstadtrat am Freitag per Gemeinderatsbeschluss einen Bau im denkmalgeschützten Augarten "dauerhaft" verhindern. Ein Njet und zwei unkonstruktive Vorschläge. Nur net hudeln, ist eh alles erst 63 Jahre her. N.W.


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